Schreiben vom 06.06.2018

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Vorwort

Auf Grund des Artikels vom 01.06.2018 wurde die Bundesjustizministerin Fr. Barley von uns zum Thema angeschrieben.

Da es sich um einen persönlichen und nicht um einen offenen Brief handelt, werden im Folgenden die personenbezogenen Daten der insgesamt 19 Unterzeichner aus Datenschutzgründen nicht aufgeführt.


Inhalt

Betreff: Öffnung WhatsApp / anbieterunabhängiges Chatsystem

Sehr geehrte Bundesjustizministerin Barley,

bezugnehmend auf Ihren am letzten Freitag veröffentlichten Vorschlag bzw. die Forderung “WhatsApp für andere Dienste zu öffnen” (*) stimmen wir Ihnen zu und möchten auf bereits bestehende Lösungen hinweisen, die dieser Forderung in besonderem Maße nachkommen.

Aus heutiger Sicht kann sich keiner vorstellen, dass Telefonate oder E-Mails nur innerhalb des Netzes eines Anbieters möglich wären. So wäre es undenkbar, wenn Kommunikation nur anbietergebunden (Telekom, Vodafone, T-Online, gmx, web.de, …) funktionieren würde. Grund ist, dass hier die Datenübertragung anbieterunabhängig geregelt ist und es entsprechende Normen/Standards gibt. Beispielsweise findet mittels “SMTP” für e-Mail, “ISDN” oder “SIP” für Telefonie die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Diensten statt.

Jeder Bürger kann also einen beliebigen Anbieter wählen, ein Telefon, ein e-Mail-Programm seiner Wahl verwenden - und dank öffentlicher Standards funktioniert das Gesamtsystem trotzdem.

Warum sollte das beim Austausch von Kurznachrichten mit Messengern anders sein?

Deshalb haben wir mit Freude ihre Forderung zur Öffnung von WhatsApp für andere Dienste vernommen. Der gesellschaftspolitische Bedarf einer unabhängigen, dezentralen Kommunikation per Messenger ist unbestritten vorhanden.

Die Lösung: Bereits seit fast 20 Jahren gibt es hierfür einen offen dokumentierten, internationalen und herstellerunabhängigen Industriestandard: “XMPP”

Hier ist kein Messengerprogramm vorgegeben, sondern es stehen dutzende zur Auswahl, die auch kostenlos und ohne Altersbeschränkung genutzt werden können. Die Firma Google hat XMPP zur Föderation des “Google Talk”-Dienstes mit anderen Anbietern verwendet. Aber auch mit “Matrix” steht ein weiteres, junges Protokoll zur Verfügung, für das sich die französische Regierung kürzlich entschieden hat.

Hinter diesem Allgemeingut (das Protokoll gehört “jedem”) steht jedoch keine finanzkräftige Firma mit entsprechendem Marketingbudget. Deshalb wird in der Presse/Öffentlichkeit leider meistens das Produkt einer Firma (Telegram, Threema, Signal, usw.) als Alternative genannt, die selbst jedoch auch keine dezentrale Kommunikation zulassen. Ironischerweise basieren viele dieser geschlossenen Systeme auf XMPP - auch WhatsApp.

Damit “Chat” denselben offenen Status wie “E-Mail” bekommt, treiben wir seit einiger Zeit das ehrenamtliche Projekt “Freie Messenger” voran. Kurz zusammengefasst geht es um die Förderung der Nutzung von dezentralen, standardisierten Messengersystemen (E-Mail/hat) die für die Nutzer - frei (ohne Einschränkung) - offen (quelloffen und nachprüfbar) - sicher - erprobt und - kostenlos sind.

Da wir weder eine Firma noch ein Produkt vertreten, sind wir unabhängig und innerhalb der großen bereits existierenden Gemeinschaft von Entwicklern, Betreibern und Nutzern aktiv.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die hier vorgebrachten Informationen nutzen können, um Ihre und unsere gemeinsame Forderung nach einem anbieterunabhängigen Chatsystem auch in der breiten Öffentlichkeit zu etablieren.

Gerne können Sie dazu diese Nachricht auch weiterleiten.

Für Rückfragen stehe ich / stehen wir gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße

(*) Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-06/bundesjustizministerin-katarina-barley-whats-app-messenger-oeffnung